Rhetorica

Zeitmanagement Seminare noch zeitgemäß?

Letzte Woche erreichte uns die Frage, warum wir denn in unserer Reihe für Führungskräfte kein Modul Zeitmanagement anbieten würden. Das sei doch wichtig für Manager!

Und nicht nur für Manager – eigentlich haben alle immer Stress. Ein Leben in Balance, in innerer Ausgeglichenheit scheint Diogenes in der Tonne vorbehalten zu sein. Für ihn bestand Glück ja darin, sich von Bedürfnissen und äußeren Zwängen einfach frei zu machen.
Ist es da nicht zwingend notwendig bei allen anderen außer den Diogenes unter uns, ein paar Tipps zu verteilen, wie man sich besser organisiert, wie man mehr erledigen kann? Wie kann man einem Stress-Geplagten nun helfen?

Die Frage ist, was Stress mit Zeitmanagement-Tools zu tun hat,
oder auch: sind Zeitmanagement-Tools die richtigen „Heilmittel“ für Stress?

Untersuchungen von Alexandra Strehlau bieten hier erhellende Erklärungen an. Denn möglicherweise liegt die Lösung weniger an einem noch besser durchrationalisierten Arbeitstag. Vielmehr könnte es sein, dass die Befriedigung der höchst individuellen Bedürfnisse in eine unselige Schieflage geraten ist, ohne dass die Betroffenen dies verbalisieren könnten: Aber die Unzufriedenheit – nicht nur mit der Arbeit – wächst in allen Lebensbereichen. Für nichts, so scheint es den außer Balance Geratenen, bleibt genügend Zeit. Nicht für die Familie, nicht für Freunde und nicht für sich selbst.

Strehlau kann in ihrer Arbeit zeigen, dass Lebensbalance (und damit hoch korrelierend persönliches Wohlbefinden) dann vorliegt, wenn es der Person gelingt, ihre individuellen Bedürfnisse angemessen zu befriedigen. Dies aber geht weit über eine zeitliche Gleichgewichtung von Lebensbereichen mit Hilfe von Zeitmanagement-Tools hinaus. So kann sich ein Manager mit einem 15-stündigen Arbeitstag zufrieden und gut „balanciert“ fühlen, wenn sich im Arbeitsalltag die Möglichkeit ergibt, viele verschiedene Bedürfnisse zu befriedigen: nicht nur das nach Selbstbestätigung, Erfolg und Leistung, sondern zum Beispiel auch nach sozialen Kontakten, Zugehörigkeit oder Sicherheit. Ein rein zeitlich ausgeglichenes Verhältnis von Lebensbereichen schützt dagegen nicht vor Burnout und dem Erleben von Sinnlosigkeit, wenn es nur wenige Chancen gibt, persönlich bedeutsamen Aspekten Genüge zu tun, etwa kreativ zu sein oder selbstbestimmt zu agieren.

Zwei grundlegende Aspekte sind Voraussetzung für eine gelungene Balance im Leben:

– einmal die Fähigkeit, eigene Wünsche und Werte wahrzunehmen und selbstkongruente Ziele zu formulieren

– zum anderen die Fähigkeit, Energie zu generieren, um die eigenen Absichten umsetzen zu können

Coachs können ihre Klienten dabei unterstützen, ihre eigenen Bedürfnisse überhaupt erst wieder wahrnehmen und respektieren zu können – und die notwendige Selbststeuerungskompetenz zu entfalten. Und genau das ist auch Bestandteil unserer RHETORICA Führungskräfteentwicklung.

Bildquelle: Fotolia

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