Rhetorica

Körpersprache deuten – Taktiken entlarven?

Körpersprache „lesen“ und deuten können, das wollen viele.
Woran können wir bei einem Gesprächspartner die „wahre“ innere Stimmung erkennen? Können wir das überhaupt?

Zuverlässig sicher nie, aber es gibt Situationen, in denen wir widersprüchliche Signale empfangen und spüren, dass da noch etwas anderes ist.

Nach Desmond Morris kann man Signale auf einer Skala danach einschätzen, ob man einer Botschaft Glauben schenken darf.
Angeblich können wir einem Signal am ehesten trauen

  • je weiter es vom Gesicht entfernt auftaucht
  • je weniger dem anderen seine Handlung bewusst ist
  • und wenn es sich um eine Geste handelt, die nicht zum „normalen“ Repertoire weiter Bevölkerungsschichten gehört

Nonverbale Kommunikation - Körpersprache

So sieht diese Skala (1 = höchste Einschätzbarkeit) aus:

  1. Autonome Signale – das sind Reaktionen, die wir nicht steuern können wie Schwitzen, Erröten, Blasswerden etc.
  2. Bein- und Fuß-Signale – die unteren Körperteile können wir offensichtlich weniger gut unter Kontrolle halten, weil wir uns darauf konzentrieren, unsere Mimik im Griff zu behalten. So liefern z.B. die Füße interessante Hinweise: Scharren mit den Füßen bei scheinbar interessiertem Zuhören, Wippen, häufige Haltungsänderungen der Beine etc.
  3. Körpersignale – gemeint ist die allgemeine Körperhaltung (ein aufgeregter Mensch kann kaum entspannt dasitzen, ein gelangweilter kaum aufrecht…)
  4. Nichtidentifiziertes Gestikulieren – auch wenn wir die Hände besser unter Kontrolle haben, unbestimmte Handbewegungen verraten dennoch etwas über die Stimmung.
  5. Klar verständliche Handgesten – das sind bewusst eingesetzte Handzeichen (das Victory-Zeichen z.B.), die deshalb auf der Glaubwürdigkeitsskala weit unten stehen.
  6. Gesichtsausdrücke – diese sind gut zu kontrollieren, auch wenn es bei widersprüchlichen Empfindungen winzige Anzeichen gibt, die den wahren Zustand verraten (Zusammenkneifen der Augen, Anspannen der Kiefermuskeln…)
  7. Verbale Formulierungen

Wie wendet man die Skala an?

Die Idee ist, dass bei der Wahrnehmung widersprüchlicher Signale denjenigen „geglaubt“ wird, die weiter oben in der Skala stehen.

Wenn also jemand behauptet (verbale Formulierung): „Mir geht’s prima!“ – Platz 7
und dabei ein bekümmertes Gesicht macht (Gesichtsausdruck) – Platz 6
gleichzeitig aufrecht (in einer Wohlfühlhaltung) vor mir sitzt (Körpersignale) – Platz 3

dann ist wahrscheinlich, dass der Sender mit mir spielt und es ihm nicht schlecht geht, wie die Mimik weis zu machen sucht. Der gesamte Körper müsste dann eher „in sich einfallen“, wenn die wahre Botschaft das Sich-Schlecht-Fühlen wäre. Der Sprecher sendet also scheinbar bewusst eine unstimmige Botschaft! Vielleicht tut er es deshalb, weil er Aufmerksamkeit möchte.

Für alle, die auch in schwierigen Konversationen noch den Blick für nonverbale Signale frei haben, können so Unstimmigkeiten entlarven.
Zur Beruhigung: Meistens liegen wir in der „Deutung“ schon unbewusst richtig! Wir meinen zwar, wir schauen, um Emotionen zu entschlüsseln, am ehesten ins Gesicht. Das stimmt aber nicht. Wir haben schon richtigerweise unbewusst den gesamten Körper im Blick (das zeigen Studien). 😉

Wie schon des Öfteren beschrieben, ist unserer Ansicht nach die WOHLSPANNUNG auch wieder der Schlüssel zum „Deutungserfolg“.

Bildquelle Fotolia

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.